Schweden-Tipps

Jedermannsrecht in Schweden

Jedermannsrecht
Jedermannsrecht

Das Recht darauf, sich frei in der Natur zu bewegen, heißt Jedermannsrecht oder auf Schwedisch „allemansrätt“. Wenn man die Schweden nach dem Ursprung vom Jedermannsrecht fragt, würden die meisten wahrscheinlich etwas von mittelalterlichen Bräuchen murmeln. Doch das ist nicht ganz richtig. Das Gesetz ist um einiges jünger, diese uralte Regel wurde erst 1994 im schwedischen Grundgesetz schriftlich festgehalten. Im Gesetzbuch steht explizit nur wenig: „Alle sollen laut dem Jedermannsrecht Zugang zur Natur haben“ heißt es im schwedischen Umweltgesetz.

Alla ska ha tillgång till naturen enligt allemansrätten oberoende av vad som föreskrivits ovan. (Gesetz Nr. 2010:1408).

Dieser Satz in der Schwedischen Verfassung Kapitel 2 § 15 regelt in Schweden das Jedermannsrecht.

Die Behörde für Umwelt- und Naturschutz bietet eine praktische Auslegung. Das Jedermannsrecht soll dir entspannende Wanderungen, lange Radtouren und Ausflüge in die wunderschöne schwedische Natur ermöglichen.

1. Ich respektiere den Hausfrieden.

Du darfst dich beinahe überall in der schwedischen Natur und in den Wäldern frei bewegen. Dies gilt jedoch nicht für Häuser und Gärten.  In einigen Fällen ist es möglicherweise schwierig, festzustellen, wo ein Garten beginnt und endet. Achte auf:

  • Zäune, Mauern, Hecken oder natürliche Grenzen wie Flüsse oder Bäche
  • Rasen in der Nähe eines Privathauses
  • Eingepflanzte Blumen, Obstbäume oder Gemüsegärten
  • Schuppen, Gewächshäuser und Hütten

2. Ich stelle nur ein Zelt auf, wo es erlaubt ist.

Du darfst für eine Nacht oder, solange du den Eigentümer nicht störst bzw. die Umgebung nicht schädigst, ein Zelt aufstellen. Denke daran, nicht auf empfindlichen Böden, Weideland, landwirtschaftlich genutzten Flächen und bestellten Feldern zu zelten. Halte Abstand zu Gebäuden, Straßen oder historischen Stätten.  Wenn du in der Nähe eines Hauses oder Gebäudes oder eine größere Gruppe bist, hole dir die Erlaubnis des Eigentümers ein.

3. Ich mache kein Feuer auf oder in der Nähe von Felsen oder an Stellen, an denen sich das Feuer leicht ausbreiten kann.

Wenn du eine Stelle für dein Lagerfeuer wählst, achte darauf, dass es sich nicht ausbreiten oder die Umgebung schädigen kann. Am besten machst du selbst eine Feuerstelle und haltest das Feuer klein, unter Kontrolle und unter Beobachtung. Mache kein Feuer auf oder in der Nähe von Felsen, da Felsen Risse bekommen können. Entferne alle Spuren eines offenen Feuers, bevor du gehst. Mache kein offenes Feuer, wenn Brandgefahr besteht oder während längerer Trockenperioden. Nationalparks und Naturschutzgebiete haben üblicherweise strenge Regeln für Lagerfeuer. Bei Brandrisiko kann ein Verbot von Lagerfeuern ausgesprochen werden. Wende dich an die Behörden vor Ort, um zu erfahren, ob Lagerfeuer verboten sind.

4. Ich hinterlasse keine Abfälle.

Es ist strengstens verboten, Abfall zu hinterlassen. Die Lösung ist denkbar einfach. Nimm alle deine Abfälle mit nach Hause. Selbstverständlich kannst du die Abfälle in Abfalleimern entsorgen, wenn welche vorhanden sind.

5. Ich weiß, wie ich im Wald mein Geschäft verrichte.

Sofern du dich nicht auf einem offiziellen Campingplatz befindest, gibt es üblicherweise keine Waschräume oder Toiletten. Suche dir ein stilles Örtchen weit abseits von offenen Gewässern, Flüssen und Bächen. Halte Abstand zu Gebäuden und Nutztieren. Vergrabe deine Fäkalien in einem kleinen Loch und decke diese zu. Hinterlasse kein sichtbares Toilettenpapier.

6. Ich verursache keine Schäden an Wald und Boden.

Das Jedermannsrecht gilt für Wälder, Gehölze und den Boden. Denke jedoch daran, dass Feldfrüchte, aufgeforstete Wälder oder andere empfindliche Stellen nicht beschädigt werden dürfen.  Bleibe auf gekennzeichneten Wegen und Pfaden, um Schäden zu minimieren, insbesondere wenn du mit dem Fahrrad fährst oder reitest. Denke  auch daran, dass eine Gruppe wahrscheinlich mehr Schaden anrichtet als eine einzelne Person.

7. Ich schließe immer das Tor.

Du darfst durch ein Tor gehen oder über einen Zaun klettern, um Flächen zu erreichen, in denen das Jedermannsrecht gilt, vorausgesetzt du durchquerst dabei keinen Garten und störst den Eigentümer nicht. Halte sicheren Abstand zu Nutztieren. Klettere nicht über Tore, Zäune, Deiche oder Hecken, sofern es eine Alternative in der Nähe gibt, und schließe das Tor. Wenn du über einen Zaun klettern müssen, achte darauf, nichts zu beschädigen.

8.  Ich pflücke keine gefährdeten Pflanzenarten.

Du darfst Wildbeeren und Blumen pflücken, Pilze sammeln und heruntergefallene Zweige und Reisig aufheben. Einige Pflanzen sind gesetzlich geschützt, daher darfst du diese nicht pflücken oder sammeln. Weiterhin darfst keine Zweige, Äste, Rinden, Blätter, Eicheln, Nüsse oder Harz von jungen Bäumen abbrechen oder abreißen. Selbstverständlich ist es verboten, lebende Bäume oder Sträucher zu fällen.

9. Ich achte auf die Regeln, die in geschützten Bereichen gelten.

In geschützten Bereichen wie beispielsweise Nationalparks und Naturschutzgebieten gelten bestimmte Regelungen, die das Jedermannsrecht einschränken oder möglicherweise sogar erweitern. Finde heraus, was in den Bereichen gilt, in denen du bist oder die du besuchen möchtest. Achte auf die Hinweise auf den Schildern in den Parks.

10. Ich habe meinen Hund an der Leine.

Dein Hund darf dich in die Natur begleiten, allerdings herrscht vom 1. März bis zum 20. August Leinenzwang. Du solltest deinen Hund an der Leine führen und keine Felder mit Jungtieren wie Kälbern und Lämmern betreten. Im Frühling und Sommer benötigen die Wildtiere absolute Ruhe. Selbst der friedlichste Hund kann dann durch seine bloße Anwesenheit großen Schaden anrichten. Auch in der Zeit ohne Leinenzwang muss der Hund so beaufsichtigt werden, dass er weder Mensch noch Tier stört noch ihnen Schaden zufügt. Bitte hinterlasse außerdem keinen Hundekot.

11. Ich achte auf Menschen und Tiere, während ich die schwedische Natur genieße.

Natürlich macht es großen Spaß mit deinem Fahrrad über die Waldwege zu brettern und auf deinem Pferd zu reiten. Denke aber bitte daran, dass du andere Menschen und auch Tiere stören könntest. Das Jedermannsrecht gilt für alle. Lasse vor allem im Frühsommer Sorgfalt walten, denn zu diesem Zeitpunkt schlüpfen die Vögel und das Tierleben ist besonders empfindlich.

12. Ich schwimme nur an Stellen, wo es erlaubt ist.

Du darfst beinahe überall in Schweden schwimmen gehen, sofern die Badestelle nicht neben einem Privathaus liegt oder der Zugang verboten ist, um Vögel oder Robben zu schützen. Dieselben Regeln gelten für das kurzzeitige Vertäuen deines Bootes. Du darfst dein Boot an einem fremden Kai befestigen, vorausgesetzt du befindest dich nicht in der Nähe eines Privathauses oder störst den Besitzer nicht. Weiters darfst du mit deinem Boot auf dem Meer, auf Seen oder auf anderen Wasserwegen fahren, vorausgesetzt es gibt keine Verbote oder Einschränkungen. Jetski-Fahrzeuge dürfen nur in bestimmten Bereichen gefahren werden. Wende dich an die regionalen Behörden vor Ort für weitere Informationen.

13. Ich fahre ein Kraftfahrzeug nur dort, wo es gestattet ist.

Das Jedermannsrecht gestattet es nicht, dass du mit einem Kraftfahrzeug durch die Natur und Wälder fährst. Geländefahrten sind mit einigen wenigen Ausnahmen in Schweden verboten. Parke dein Fahrzeug immer direkt neben der Straße. Es darf dabei der Boden nicht beschädigt, der Grundbesitzer nicht gestört oder die Straße in irgendeiner Weise blockiert wird.

Das schwedische Jedermannsrecht zum ausdrucken

(Quelle: Håll Sverige Rent)

Hans und Ingrid

"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen."

sagte schon Johann Wolfgang von Goethe. Das ist auch unser Motto. Wir sind schon viele Jahre mit dem Wohnwagen unterwegs. Waren wir früher mehr im Süden unterwegs, so haben wir für uns nun den Norden entdeckt. Die Ruhe und landschaftliche Schönheit haben uns in den Bann gezogen.

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